Buddenbrookhaus_Visu01

Das NEUE Buddenbrookhaus - Lübeck

1. Preis

Offener, einphasiger Realisierungswettbewerb

VON LÜBECK IN DIE WELT
„Kurz und gut, man figuriere sich“
. Damit beginnt Pastor Wunderlich eine Anekdote bei einer Feier für das neu erworbene Haus. Soweit die Romanebene bei den Buddenbrooks, die Haus und Museum ihren Namen geben.
Auch wir, die Besucher des Museums, müssen einiges „figurieren“, also unsere Vorstellungskraft nutzen – aus mehreren Gründen: Wir betreten ein Museum, das die Geschichte von mindestens vier Häusern wiederspiegelt.
Worauf bauen wir auf? Ein Giebel des Hauses Mann, Relikt des 1942 zerstörten Gebäudes; die Parzelle der Mengstraße 6, 1942 zerstört; eine gotische Fassade aus der Fischstraße sowie das Buddenbrookhaus als Fiktion, als Gedankengebilde.
Nichts ist echt, so scheint es. Außer der Fassade, die zum weltberühmten Abbild des Romans geworden ist.
„Ich habe die Augen von hunderttausenden von Menschen auf das alte Giebelhaus in der Mengstraße gelenkt“, sagte Thomas Mann über seinen Roman. Nun wird ein Buddenbrook-Museum gebaut, das neben dem Roman die Familie Mann widerspiegelt, die Geschichte der vielen Familienmitglieder und deren Spuren in Lübeck, in der Welt, der Literatur und der Politik. Diese Überlagerung mehrerer Ebenen wird Merkmal der Architektur des NEUEN Buddenbrookhauses.

WAS IST DAS?
Zur Mengstraße präsentieren sich zwei Häuser. Die beiden denkmalgeschützten Straßen-Fassaden Mengstraße 4 und 6 sind bereits die ersten Exponate der Ausstellung. Die zwei Giebel spiegeln die Geschichte der beiden Grundstücke, die Geschichte Lübecks (Zerstörung 1942) und die Aufgabe „Museum auf zwei Parzellen“ wieder. Das historische Walmdach des Buddenbrookhauses wird modern interpretiert. Auch die Geschichte des aus der Fischstraße translozierten gotischen Giebels wird hier offen thematisiert.
Der neu verputzte Sturz über dem Erdgeschoss erinnert an die Fassade vor 1942 und bindet beide Fassaden formal wieder zusammen. Vor 1942 stand in der Mengstraße 6 ein barocker, weißer Giebel. Das „– Was – ist – das . . .“, der Romanbeginn der Buddenbrooks, bekommt hier eine subtile Mehrdeutigkeit.

INDIVIDUALITÄT IM KONTEXT
Die Kubatur des neuen Museums lehnt sich an typische Lübecker Kaufmannshäuser an. Die beiden Parzellen werden durch zwei Satteldächer gezeigt, obwohl das Museum beide Parzellen zusammen bespielt. Das Gebäude ordnet sich damit der Struktur der Stadt unter. Erst die Stadt, dann das Haus. Das Ziegeldach als „fünfte Fassade“ passt den Neubau wieder harmonisch und homogen ins Stadtbild ein.

Die Ziegelfassade, ein Lübecker Thema, wird hier mit einem individuellen Verband erstellt, der subtil an ein Bücherregal aber auch in Spuren an den ehemaligen Seitenflügel erinnert. Die neue Fassade erzählt in ihrer Materialsprache auch eine weitere Geschichte: nach dem Provisorium eines Bankgebäudes der Nachkriegszeit und der einzigartigen Geschichte der Hausnummer 6 wird das Museum nun fest auf den Boden gestellt. Dauerhaft. Und: ein Lübecker Haus.
Im Detail zeigt das Museum seine starke Individualität: zwei „Häuser“ wachsen zu einem monumentalen Körper zusammen. Die markante Silhouette wird zur Landmark.
Die weitgehend geschlossenene Fassade deutet die besondere Nutzung an. Eine baukünstlerische Lichtinstallation kann den Weg ins Museum weisen. Wieder kommt die Doppeldeutigkeit zum Vorschein: Ist es ein Haus, oder sind es zwei? Ein Wohnhaus ist es nicht, auch kein Kaufmannshaus... „Was – ist – das...“ fragt man auch hier. Ein Monument. Im Maßstab der Stadt. Das NEUE Buddenbrookhaus.

 

Mit Jörn Simonsen

1.Preis
2018

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